Sabbatical – eine etwas andere Erklärung des Begriffes

Sabbatical Jahr

Heute möchte ich mich dem Begriff Sabbatical widmen. Falls Du die Bedeutung dieses Wortes bereits kennst, möchte ich Dir in diesem Beitrag eine neue Sicht auf das Thema anbieten. Solltest Du noch nicht wissen, was ein Sabbatical ist: Umso besser! Dann wirst Du in diesem Artikel erst recht einiges lernen können.

Um es vorwegzunehmen: Bei einem Sabbatical handelt es sich um eine Art Auszeit, die man sich nimmt. Da diese Auszeit in der Regel etwa ein Jahr dauert, spricht man auch häufig von einem Sabbatical Jahr, Sabbatical Year oder Sabbatjahr.

Eine zentrale Rolle bei dem Thema Auszeit spielt die Bedeutung von Zeit in Deinem Leben. Und hiermit meine ich freie Zeit, die Du für Dich nutzen kannst.

Das Dilemma mit Zeit, Geld und Gesundheit

Zeit, Geld und Gesundheit sind alles Dinge, die uns Menschen wichtig sind. Den Begriff „Gesundheit“ kannst Du auch durch „Energie“ ersetzen. Leider – so scheint es – stehen diese drei Komponenten in gewisser Weise in Konflikt miteinander, wie das folgende Zitat (Verfasser unbekannt) zeigt:

„Wenn Du jung bist, hast Du viel Zeit und Energie, aber wenig Geld. Sobald Du erwachsen bist, hast Du zwar genügend Energie und Geld, jedoch wenig Zeit. Und wenn Du alt bist, hast Du ausreichend Geld und viel Zeit, aber wenig Energie.“

Tatsächlich scheint es so, als könntest Du nie alle drei Komponenten gleichzeitig in Deinem Leben genießen. Wenn Du jung bist, willst Du endlich erwachsen werden, damit Du Dein eigenes Geld verdienen kannst. Bist Du jedoch erwachsen und hast ein festes Einkommen, stellst Du schnell fest, dass Du immer weniger Zeit hast (siehe auch „Fear Of Missing Out“). Im Alter hast Du dann endlich wieder viel Zeit für Dich, aber leider steht es dann um Deine Gesundheit und Lebensenergie nicht mehr so gut. Deshalb solltest Du gegenwärtig immer für das dankbar sein, was Du gerade hast.

Die untere Infografik verdeutlicht das Dilemma noch einmal:

Infografik Energie Zeit Geld

(Zum Vergrößern Infografik anklicken; Icons aus der Infografik von Freepik – Flaticon)

Die Frage, die sich natürlich stellt, ist folgende: Gibt es eine Möglichkeit, wie wir Zeit, Geld und Gesundheit in eine gesündere Balance bringen können?

Die Lösung des Problems

Im Jahr 2009 bin ich auf einen sehr interessanten Vortrag des Designers Stefan Sagmeister gestoßen. Zu dieser Zeit gab es den Begriff „Sabbatical“ noch gar nicht, sodass seine Idee damals fast schon revolutionär war. In seinem Vortrag beschreibt er, wie eine klassische Lebensplanung in der westlichen Welt aussieht: Die ersten 25 Jahre unseres Lebens lernen wir, die nächsten 40 Jahre arbeiten wir und die restlichen Jahre sind wir im Ruhestand. Sein Vorschlag für eine moderne Lebensplanung: Was wäre, wenn wir – bildlich gesprochen – ein paar Jahre vom Ruhestand nehmen und diese zwischen die Arbeitsjahre einbauen? Er nannte es damals „Time Off“; wir würden heutzutage „Sabbatical“ dazu sagen.

Die nächste Infografik zeigt, welchen Effekt dieses Umbauen der Ruhestand-Jahre zwischen die Arbeitsjahre hätte: Wir bekommen dadurch immer wieder Auszeiten. Der Nebeneffekt ist zwar, dass der Ruhestand später beginnt. Doch vielleicht können wir durch diese Auszeiten immer wieder neu auftanken, sodass wir auch genügend Energie haben, um später in Ruhestand zu gehen. Auf jeden Fall wäre durch ein Sabbatical gewährleistet, dass wir auch im mittleren Lebensalter wieder mehr Zeit für uns haben.

Die untere Grafik stellt die klassische und moderne Lebensplanung nach Stefan Sagmeister gegenüber. Die Summe der einzelnen Abschnitte (Lernen, Arbeiten, Ruhestand) bleibt jeweils gleich:

Infografik Lebensplanung

Früher hätten die Leute den Kopf geschüttelt, wenn Du ihnen gesagt hätte, dass Du Dir für ein Jahr eine Auszeit nehmen möchtest. Zum Glück hat mittlerweile gesellschaftlich ein Umdenken stattgefunden. Denn schließlich ist so eine Auszeit in Form eines Sabbaticals gar nicht so absurd. Selbstverständlich solltest Du für Dich durchrechnen, ob es wirtschaftlich machbar ist. Außerdem solltest Du Deinen Wunsch sehr offen mit Deinem Umfeld (Freunde, Partner, Familie, Chef) besprechen.

Meiner Meinung nach ist aber fast alles nur eine Frage der Prioritäten, die man sich im Leben setzt. Als ich vor ein paar Jahren mit einem Freund über das Problem diskutierte, was man machen kann, um mehr Zeit für die wichtigen Dinge im Leben zu haben, antwortete er Folgendes:

„Was ich mache, wenn ich keine Zeit habe? Ganz einfach: Ich nehme mir sie.“

Spannend, oder? Was er gut erkannt hat, ist, dass es immer unsere Entscheidung ist, wem oder was wir wie viel Zeit einräumen. Und letztlich ist jeder selbst die wichtigste Person in seinem eigenen Leben.


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Weitere Gründe für ein Sabbatical

Kommen wir nochmal zurück auf die Gründe für ein Sabbatical. Der Designer Stefan Sagmeister sieht in einer Auszeit die Möglichkeit, dass Du Deine Akkus neu aufladen kannst – vor allem die der eigenen Kreativität. Denn in einem Sabbatical bist Du losgelöst von den festgefahrenen Prozessen und hast endlich Zeit zum Experimentieren. Das gilt vor allem für kreative Berufe wie Grafikdesigner, Produktdesigner, Musiker oder Köche. Darüber hinaus schaffst Du durch regelmäßige Auszeiten eine gute Basis, um im Alter länger gesund zu bleiben und später in Ruhestand gehen zu können. Das Problem aus der ersten Infografik wird also gelöst. Im mittleren Alter hast Du mehr Zeit, während Du im hohen Alter mehr Energie hast.

Es gibt noch weitere Gründe, weshalb Du ein Sabbatical machen kannst. Diese möchte ich hier kurz auflisten:

  • Burnout-Prävention
  • Selbstreflexion
  • Reisen
  • Steigerung von Motivation
  • Zeit für die Familie oder Partnerschaft
  • Umschulung, Weiterbildung, Forschungsprojekte

Weiterführende Fragen zum Thema Sabbatical

In diesem Abschnitt habe ich für Dich die am häufigsten gestellten Fragen zum Thema Sabbatical zusammengefasst und passende Texte verlinkt:

Was sind Deine Erfahrungen?

Abschließend möchte ich Dir den Vortrag von Stefan Sagmeister noch einmal wärmstens ans Herz legen. In diesem schildert er nämlich auch seine persönlichen Erfahrungen und zeigt ein paar kreative Ergebnisse seiner Auszeiten:

Wie sieht es mit Dir aus? Hast Du schon einmal ein Sabbatical gemacht? Falls ja, freue ich mich darauf, in den Kommentaren von Deinen Abenteuern zu lesen! 😎

Aber auch wenn Du noch keine Erfahrungen gemacht hast, bist Du herzlich eingeladen, an der Diskussion teilzunehmen. 😉


** Bildnachweis: Titelbild dieses Beitrages von Dino Reichmuth auf Unsplash


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