Weißes Rauschen gegen Störgeräusche: Wie funktioniert das?

Weißes Rauschen gegen Störgeräusche

Man kann weißes Rauschen gegen Störgeräusche einsetzen. Mit diesem künstlich erzeugten Klang lassen sich nämlich unerwünschte Sounds überdecken. In diesem Artikel möchte ich Dir erklären, wie genau das funktioniert. Außerdem bekommst Du zwei Audioquellen, die Du ab sofort bewusst einsetzen kannst, um Störgeräusche zu eliminieren oder ganz einfach zu entspannen.

In meinen beiden letzten Beiträgen habe ich über Lärm und Stille philosophiert. Darin habe ich bereits angerissen, dass es eine Möglichkeit gibt, um unangenehme Geräusche zu eliminieren – und zwar durch weißes Rauschen.

Wie funktioniert das Ganze?

Es gibt in der Akustik ein Phänomen, das sich Maskierungseffekt nennt. Bei diesem Effekt hört der Mensch von einem bestimmten Geräusch nicht alle Frequenzanteile oder er nimmt sie nur mit geringerer Intensität war. Ein Beispiel: Wenn ich auf Holz klopfe, dann erzeugt das ein Geräusch, das sich in etwa im mittleren Frequenzbereich befindet. Spiele ich gleichzeitig dazu einen Bass-Sound über Lautsprecher ab, wirst Du das Klopfen nur leiser oder gar nicht mehr wahrnehmen. Dies hängt davon ab, wie laut ich den Bass auf dem Lautsprecher wiedergebe. Oder anders ausgedrückt: Ich muss schon sehr laut mit den Fingern auf das Holz klopfen, damit sich das Klopfgeräusch gegen den Bass durchsetzen kann.

Übrigens kommt derselbe Effekt auch bei der MP3-Codierung zum Einsatz. Hier werden bewusst Frequenzen gelöscht, um die Größe einer Datei zu komprimieren.

Einen Sonderfall beim Maskieren von Geräuschen bildet das weiße Rauschen. Doch lass uns zunächst mal schauen, was sich eigentlich hinter diesem Begriff verbirgt:

Was ist weißes Rauschen?

Weißes Rauschen ist ein synthetisch erzeugtes Signal, das sich über das komplette Frequenzspektrum des menschlichen Gehörs verteilt. Es enthält also alle Frequenzen, die wir als Menschen wahrnehmen können – tiefe Töne, mittlere Töne und hohe Töne.

Viele Menschen, die der etwas älteren Generation angehören, verbinden mit dem Geräusch des weißen Rauschens den sogenannten „Schnee“ nach Sendeschluss: Bis in das 20. Jahrhundert hinein war es normal, dass über die Nacht im Hörfunk und im Fernsehen kein Programm ausgestrahlt wurde. In dieser programmfreien Zeit zeigten die Sender deshalb entweder ein Testbild und Testgeräusch oder strahlten ein weißes Rauschen aus. Gerüchten zufolge sollen es viele Menschen als Einschlafhilfe genutzt haben. Warum dieses Geräusch so beruhigend wirkt, werden wir weiter unten im Text noch sehen.

Im folgenden YouTube-Video kannst Du Dir ein 30-minütiges weißes Rauschen gegen Störgeräusche anhören. Dieses habe ich so produziert, dass es klanglich variiert, damit es nicht zu statisch ist. Außerdem habe ich das Video selbst getestet, indem ich mir das Geräusch an einem Wochenende nach dem Mittagessen angehört habe, um bewusst abzuschalten. Die Tatsache, dass ich eingenickt bin, deutet darauf hin, dass das Video seine Wirkung nicht verfehlt hat. 😉

Alternative: Braunes Rauschen

Es gibt technisch nicht nur die Möglichkeit, weißes Rauschen gegen Störgeräusche zu erzeugen. Auch braunes Rauschen zählt zu den künstlichen Klängen, die beruhigend wirken. Im Gegensatz zum weißen Rauschen enthält braunes Rauschen mehr tiefere Frequenzen, sodass der Gesamtklang dumpfer ist. Es erinnert vom Klang daher ein bisschen an entferntes Meeresrauschen oder entfernten Verkehr.

Manche Menschen finden weißes Rauschen entspannender; andere bevorzugen das braune Rauschen. Dies ist einfach eine Frage des persönlichen Geschmacks und hängt natürlich mit den Vorerfahrungen zusammen, die jeder in seinem Leben gemacht hat. Bei jedem Menschen werden unterschiedliche Assoziationen beim Hören des jeweiligen Klanges geweckt.

Wichtig ist in jedem Falle, dass Du die Wiedergabe-Lautstärke der entsprechenden Situation anpasst. Wenn Du ein bestimmtes Geräusch überdecken möchtest, solltest Du die Lautstärke etwas mehr aufdrehen. Falls Du einfach ein Geräusch zum Entspannen benötigst, dann genügt auch eine geringere Lautstärke. Gerade zum Einschlafen solltest Du das Rausch-Geräusch leise einstellen.

Das bringt uns nun aber zu der Frage nach dem „Warum“:

Warum kann man zu Rauschen so gut entspannen?

Es gibt zwei Gründe, weshalb man zu weißem Rauschen so gut entspannen kann. Den ersten Grund habe ich eigentlich schon genannt, als ich den Maskierungseffekt beschrieben habe. Konstante Geräusche mit einem breiten Frequenzspektrum eignen sich wunderbar dazu, um perkussive Störgeräusche (Klopfen, Ticken, Tropfen) zu überdecken. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um ein synthetisch erzeugtes Rauschen handeln. Auch Naturgeräusche wie Wasserrauschen haben die gleiche Wirkung.

Der zweite Grund hat etwas mit Assoziationen zu tun. Als wir uns im Mutterleib befunden haben, konnten wir die Geräusche unserer Umwelt nur schemenhaft wahrnehmen. Der Klang damals war geprägt von einem konstanten Rauschen, das durch die Blutzirkulation im Körper der Mutter begründet war. Entsprechend assoziieren wir Menschen den Klang eines konstanten Rauschens mit der Geborgenheit aus dem Mutterleib. Und wenn wir uns geborgen fühlen, können wir wiederum wunderbar entspannen.

Zudem gewöhnt sich unser Gehirn sehr leicht an konstante, flächenartige Geräusche. Doch dieses Phänomen muss nicht immer gut sein, wie ich bereits im Artikel über Lärm geschildert habe. Denn es führt dazu, dass wir Lärmquellen wie Autoverkehr gar nicht mehr wahrnehmen, weil wir uns so sehr daran gewöhnt haben.

Mittlerweile gibt es auch spezielle Apps, die mithilfe von Rausch-Geräuschen Babys zum Einschlafen bringen.

Fazit

Synthetisch erzeugte Klänge wie weißes und braunes Rauschen eignen sich wunderbar zum Entspannen und sogar zum Einschlafen. Dies liegt einerseits daran, dass sie perkussive Störgeräusche überdecken können. Andererseits assoziieren wir Menschen mit derartigen Geräuschen die Geborgenheit des Mutterleibes und können entsprechend gut abschalten.

Eine weitere spannende Technologie in diesem Zusammenhang ist die sogenannte „Active Noise Cancellation“. Hierbei erzeugt ein Kopfhörer ein Gegensignal, das dafür sorgt, dass das Störgeräusch quasi gelöscht wird. Die Technik dahinter ist eine etwas andere – nämlich die der destruktiven Interferenz.

Übrigens lässt sich weißes Rauschen im Sound Design auch dazu nutzen, um bestimmte Geräusche wie Regen, Wind oder Deospray künstlich zu kreieren.


** Bildnachweis: Titelbild dieses Beitrages von Pierre Bamin auf Unsplash


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