Lebensstil Minimalismus: Ist das etwas für Dich?

Minimalismus

Der Lebensstil Minimalismus ist ein Trend, der immer weiter voranschreitet. Kein Wunder, schließlich sind Themen wie Achtsamkeit, Bewusstheit, Meditation und Entspannung immer beliebter in der Gesellschaft. In diesem Text möchte ich Dir vorstellen, was man unter Minimalismus versteht und welche Vorteile dieser Lebensstil mit sich bringt. Und ich möchte mit Dir herausfinden, ob sich das Ganze auch für Dich eignet oder eher nicht.

Was bedeutet „Lebensstil Minimalismus“?

Unter diesem Begriff versteht man die Lebensauffassung, dass man sich nur mit Dingen umgibt, die man wirklich braucht. Dabei geht es zum einen um die Dinge, die man besitzt und zum anderen um die Dinge, mit denen man Zeit verbringt. Und natürlich umfasst diese Lebenseinstellung nicht bloß Gegenstände, sondern auch Tiere und sogar Menschen. Ja, sogar die Nutzung sozialer Medien wie Facebook, Instagram und Co lässt sich reduzieren. Wenn Du minimalistisch lebst, bedeutet das also, dass Du zum Leben ausschließlich die nötigsten Dinge besitzt und Dich auch nur mit Menschen einlässt, die Dir guttun und die Dir wirklich wichtig sind.

Man kann den Lebensstil Minimalismus ein wenig mit dem Frühjahrsputz vergleichen. Vielleicht kennst Du dieses Gefühl ja auch, wenn Du zahlreiche unnötige Dinge ausgemistet hast und Dich danach unendlich befreit fühlst. Dies ist auch die Idealvorstellung des Minimalismus – dass Du ein freieres Leben führst ohne viel Ballast. Es ist auch kein Zufall, dass beide – Frühjahrsputz sowie richtig angewendeter Minimalismus – glücklich machen. Denn Forscher wie Richard M. Ryan und Tim Kasser haben schon lange festgestellt, dass Erfahrungen viel wichtiger für ein glückliches und erfülltes Leben sind als Besitztümer.

Ein kleines Beispiel gefällig? Beim Thema Minimalismus muss ich immer an die Erzählungen eines Freundes von mir denken, der wiederum einen Freund hat, der eben sehr minimalistisch lebt: kein Auto, eine etwa 20 Quadratmeter kleine Wohnung und kaum wertvolle Besitztümer. Und alles, was ich aus den Erzählungen über diesen Menschen höre, scheint dies zumindest ein sehr entspannter und zufriedener Zeitgenosse zu sein…

Die Vorteile eines minimalistischen Lebensstils

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Lebensstil Minimalismus zahlreiche Vorteile mit sich bringt.

  • Fokus: Dadurch, dass Du nur wenige Dinge besitzt und lediglich mit den wichtigsten Menschen (und Tieren) Zeit verbringst, kannst Du Dich aufs Wesentliche konzentrieren und fokussieren. (siehe auch Flow-Zustand)
  • Zeitersparnis: Wenn Du weniger Dinge, Menschen und Tiere hast, um die Du Dich kümmern musst oder die Du pflegen musst, dann hast Du im Endeffekt mehr Zeit im Leben. Und: Es gibt nicht so viele Dinge in Deinem Leben, um die Du Dir Gedanken machen musst.
  • Flexibilität und Mobilität: Je weniger man besitzt, desto weniger ist man gebunden – vor allem örtlich. Dieser Aspekt ist natürlich gerade für digitale Nomaden interessant – also für Menschen, die ortsunabhängig arbeiten und gleichzeitig die Welt bereisen.
  • Dankbarkeit: Der Lebensstil Minimalismus bietet Dir jeden Tag die tolle Möglichkeit, dankbar für das zu sein, was Du hast. Wenn Du nicht viel besitzt, weißt Du das Wenige eben zu schätzen. Und erwiesenermaßen ist Dankbarkeit ein Merkmal glücklicher Menschen.
  • Nachhaltigkeit: Minimalistische Menschen leben einfach nachhaltiger und sind im Einklang mit ihrer Umwelt. Sie reparieren Dinge, anstatt sie gleich wegzuwerfen und produzieren damit weniger Müll. Sie sparen außerdem Geld, weil sie tendenziell weniger Neuanschaffungen haben und auf Qualität achten.

Die Gefahren am Minimalismus

„Das klingt ja alles super! Ich will sofort mit diesem Lifestyle anfangen“, magst Du jetzt denken. Aber lass mir Dir vorher noch die Fallstricke vorstellen, die der Lebensstil Minimalismus birgt.

Es gibt Menschen, die zur Über-Optimierung neigen. Heißt: Wenn sie etwas praktizieren, wollen sie immer noch besser werden. Im Bezug auf Minimalismus ist diese Einstellung aber eher kontraproduktiv. Denn wenn Du daraus einen Wettbewerb machst und einen Leistungsgedanken entwickelst, um immer minimalistischer zu leben, dann bewirkst Du letztlich das Gegenteil. Du willst immer mehr Minimalismus in Deinem Leben, was irgendwie paradox klingt. Doch es ist offensichtlich, dass eine derartige Über-Optimierung nur in Stress mündet (ähnlich wie bei dem Phänomen FOMO). Wenn Du mit dem Minimalismus übertreibst, kann es außerdem passieren, dass Du etwas aus Deinem Leben verbannst und später feststellst, dass Du zu radikal und voreilig gehandelt hast. Das mag bei Gegenständen noch korrigierbar sein, indem Du Dir etwas Neues kaufst. Aber bei Menschen sollte man schon vorher genau überlegen, wen man wirklich für immer aus seinem Leben verbannen möchte.

Es gibt eine weitere Menschengruppe, für die der Lebensstil Minimalismus nicht zu empfehlen ist: Mitläufer, die jedem Trend hinterherjagen – einfach nur, weil’s cool ist. Solche Menschen werden die Vorteile dieser Lebenseinstellung nie bewusst wahrnehmen können. Mein Rat lautet an dieser Stelle immer: Tue etwas nur dann, wenn Du es aus Deinem tiefsten Inneren auch fühlen kannst.


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Bist Du ein Minimalismus-Typ?

Die Eingangsfrage ist jetzt immer noch nicht geklärt: Eignet sich ein minimalistischer Lebensstil auch für Dich? Meiner Meinung nach kann man das kaum pauschal beantworten. Du musst es einfach ausprobieren. Am besten startest Du dabei aber langsam. Falls Du jedoch vom Typ her Über-Optimierer oder Lifestyle-Mitläufer bist, dann würde ich Dir Minimalismus nicht empfehlen.

Vielleicht hast Du ja sogar schon Erfahrungen mit einer minimalistischen Lebenseinstellung gemacht. Gerne kannst Du in den Kommentaren teilen, ob sich dieser Lebensstil für Dich geeignet hat beziehungsweise immer noch eignet. Fühlst Du Dich glücklicher als vorher? Hast Du es auch schon mal übertrieben mit dem Verbannen und Aussortieren?


** Bildnachweis: Titelbild dieses Beitrages von Sarah Dorweiler auf Unsplash


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